Liebe Leser, in dieser Kolumne kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie Viktor, er wird auch niemanden verraten. Großes Ehrenwuff!

Viktor

Billig, aber befriedigend

Kürzlich habe ich mir vor dem langen Fronleichnamswochenende Gedanken darüber gemacht, wie ich mich am besten verköstige. Ein leckerer Schweinebraten, Bratwürstchen mit Sauerkraut oder vielleicht Hähnchenbrustfilet-Schnitzel mit selbst gemachten Pommes.

Entschieden habe ich mich letztlich für Frikadellen mit Stampfkartoffeln und Spiegelei. Ich mag es halt am liebsten einfach und deftig, außerdem geht’s relativ fix mit wenig Aufwand. Dazu sollte es auch das passende Bierchen geben.

Mein Weg zum perfekten Wochenende führte mich in die örtlichen LEHs. Ein Pfund Gehacktes, Zwiebeln, etwas Knoblauch – Gewürze hatte ich ja noch genügend zu Hause –, Kartoffeln und Eier: fertig. Jetzt zum Bier. Hell, dunkel, ober-, untergärig, craft oder normal: Ich hatte die Qual der Wahl.

Und genau das war mein Problem. Ich bin halt nicht der Typ, der immer und ständig spontane Entscheidungen trifft. Manchmal mache ich mir meine Entscheidungen nicht leicht. Schließlich sollte mein Wochenende auch in Sachen Bier so perfekt wie möglich werden.

Normalerweise orientiere ich mich an den Marken, die für ihre schmackhaften Biere bekannt und beliebt sind. Bei irischem Schwarzbier kann man nichts falsch machen, gilt es doch als eines der besten Biere der Welt. Ein Sauerländer Bier ist bei meinen Kumpels zurzeit sehr angesagt. Ein ostdeutsches Bier scheint vor allem bei den Leuten beliebt zu sein, die sich auf den öffentlichen Plätzen und Parks meiner Vorstadt in kleinen Grüppchen zusammenfinden, um dort gemeinsam abzuhängen.

Persönlich bevorzuge ich aber ein Dortmunder Bier mit der Zusatzbezeichnung „Original“ (vormals Bitterbier) und als Lokalpatriot das süße Alt aus meiner Heimatstadt von einer der wahrscheinlich letzten unabhängigen Privatbrauereien in unserer Gegend.

Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass jede Kaufentscheidung eine emotionale Nutzenberechnung des Gehirns sein soll. Diese Entscheidungen werden weit­gehend unbewusst getroffen, können aber durch Beeinflussung des Kunden (Farbe, Geruch, Geschmack) gezielt angesprochen werden, gesteuert werden. Vor allem große Unternehmen und Konzerne scheinen ein gesteigertes Interesse an solchen Manipulationen zu haben.

Das meistverkaufte Bier in Deutschland ist allerdings eine bayerische Marke und zugleich auch das billigste Bier Deutschlands. Anscheinend werden unsere Gehirne hauptsächlich vom Preis und erst zweitrangig durch unsere Sinne gesteuert. So auch bei mir. Nach einem Blick in mein Portemonnaie entschied ich mich spontan für die preiswerteste Marke in meinem Lieblings-LEH. Die Hausmarke Gut und Günstig in der 500-Milliliter-Pfanddose, Premiumpilsener mit 4,9 Prozent Alkoholgehalt, bewusster Genuss ab 16 Jahren.

Sie ahnen es bestimmt schon: Sicherlich war es nicht das beste Bier, das ich in letzter Zeit verkosten durfte. Aber nach Frikadellen mit Stampf und 29 Grad Celsius Außentemperatur eiskalt aus dem Kühlschrank genossen eine durchaus erfrischende und befriedigende Erfahrung.

Ich bereue nichts
Euer Viktor