Das Braujahr 2006: Atempause durch Fußball-WM und Sommerwetter

Fußball-Weltmeisterschaft macht Durst auf Bier

von Monika Busch

Sommermärchen und bierselige Stimmung stehen für die Fußballweltmeisterschaft 2006. Der deutsche Biermarkt verzeichnete laut Statistischem Bundesamt mit einem Absatz von 106,8 Millionen Hektoliter ein Plus von 1,4 Prozent. Die Biermischgetränke, wenngleich auch „nur“ mit einem Marktanteil von 3,3 Prozent, erfreuen sich weiterhin der Gunst der Durstigen mit einem Plus von 17,7 Prozent auf 3,5 Millionen Hektoliter.
Der Absatz von unvermischtem Bier stieg lediglich um 0,9 Prozent. Der Inlandsverbrauch (86%) stieg um 0,6 Prozent auf 91,8 Millionen Liter. Trotz der nasskalten Monate August und September haben die unterschiedlichsten Brauereien durchaus von der Fußball-WM profitiert. Jedoch, der Wind weht hart, auch wenn das Ausnahmejahr 2006 ein leichtes Plus aufzeigt und für eine „Atempause” für Markt und Marktteilnehmer gesorgt hat.

Erneut vermeldet die Krombacher Brauerei für das abgelaufene Geschäftsjahr 2006 ein Rekordergebnis. Mit 5,708 Millionen Hektoliter stieg der Mehrausstoß um 2,7 Prozent (150.000 hl) bei einer Umsatzsteigerung um 2,8 Prozent auf 540,3 Millionen Euro.
Mit einem Ausstoß von aktuell 6,054 Millionen Hektoliter legte der Gruppenabsatz um 8,9 Prozent zu. Mit 573,4 Millionen Euro Gruppenumsatz wurde ein Zuwachs von 47,8 Millionen Euro oder 9,1 Prozent erzielt. Das Jahr 2006 skizzierte Technik-Geschäftsführer Helmut Schaller mit einem müden Beginn und deutlicher Fahrtaufnahme im Frühjahr. Ein bewährtes, eingespieltes Team und die deutliche gewachsene Markenstärke der Krombacherfamilie stehe für die positiven Zahlen. Von der Fußball-WM als dominierendes Mega-Ereignis im zweiten Halbjahr habe das Unternehmen profitiert. Die Spendenoffensive mit den Testimonials Günther Jauch und Rudi Völler sei sehr erfolgreich und nachhaltig gewesen. Ein weiterer Erfolgsfaktor sei die Qualität der Produkte, die sich nach den Verbraucherwünschen orientiere, sowie die Entwicklung von der Monostruktur zur Markenfamilie. Desweiteren stehe das Unternehmen für konsequente Preispflege unter Verzicht auf Zugabeartikel, diese zeige das höhere Umsatzplus gegenüber dem Ausstoßzuwachs.
„Diese Entwicklung ist eine schöne, mit der Ertragslage sind wir sehr zufrieden“, bilanziert Geschäftsführer Marketing/Vertrieb Hans-Jürgen Grabias das Jahresergebnis 2006 und fügt hinzu: „Aber wir arbeiten auch sehr hart dafür.“ Traditionell lässt sich Grabias Einzelheiten zur Ertragslage nicht entlocken.
Krombacher Pils konnte mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent den Ausstoß um 72.000 Hektoliter auf aktuell 4,855 Millionen Hektoliter steigern. Krombacher Pils sei damit die meistgekaufte und beliebeste Biermarke hier zu Lande, betonte Grabias nicht ohne Stolz. Somit stamme jedes zehnte Marken-Pils aus Kreuztal. Der Fassbierabsatz mit 815.000 Hektoliter kommt auf ein Plus von 1,25 Prozent. Mit rund 86.000 Hektoliter wuchs die Vertriebspartnerschaft mit der Sinalco GmbH & Co. um 22,9 Prozent.
Die als Beiboote bezeichneten Produkte der Markenfamilie (alles außer Pils) zeigen, bis auf die Mild-Variante, erfreuliche Entwicklungen und steuerten stolze 750.000 Hektoliter zum Gesamtergebnis bei. Radler konnte mit einem Zuwachs von 17,8 Prozent auf 284.000 Hektoliter seinen Marktanteil von 12,7 auf 14,5 Prozent ausbauen. Grabias ist davon überzeugt, dass Radler sich zunehmend zu einem Ganzjahresprodukt entwickelt.
Nicht ohne Stolz betont der Manager, dass auch die alkoholfreie Variante national mit aktuell einem Marktanteil von 11, 1 Prozent Platz Zwei Platz belegt. Mit 204.000 Hektoliter erhöhte sich der Ausstoß um 16,6 Prozent.
Den Markt für milde Biere habe man größer eingeschätzt. Aber, vielleicht gebe es ja kein Mild-Segment. Wer weiß es?, so der Kommentar Grabias zu den Absatzverlusten. Und Schaller betont, dass die Mild-Variante nicht so erfolgreich, aber auch noch nicht gescheitert sei. Die Mild-Variante erreichte nur noch 51.000 Hektoliter gegenüber dem Vorjahr mit 90.000 Hektoliter.
Freude bereitet dem Unternehmen die Cab-Markenfamilie. Mit einem Gesamtausstoß von 215.000 Hektoliter steht hier gegenüber dem Vorjahreszeit-raum ein Plus von 33,5 Prozent. Weiteres nachhaltiges Wachstum verspricht man sich von dem weiteren Presenting des RTL-Quotenrenners „Deutschland sucht den Superstar“. Eichener, Rhenania Alt, Vitamalz und Herrnbräu kommen wie im Vorjahr auf 99.000 Hektoliter.
Maßgeblich beeinflusst hat das Gruppenergebnis die Marke Schweppes. Seit dem 1.7.2006 sind die Kreuztaler stolze Inhaber der Marken- und Vertriebsrechte. Gestartet sei Schweppes außergewöhnlich erfolgreich mit einem Ausstoß in der zweiten Jahreshälfte von 346.000 Hektoliter (Vorj.: 312.000 hl). Mit 33,1 Millionen Euro sei der Umsatz um 11,3 Prozent gestiegen. Als Jahresziel peilt Grabias vorsichtige 650.000 Hektoliter an. Derzeit werde eifrig an dem Markenbild von Schweppes gearbeitet, um dieses Schiff in Stellung zu bringen. Eingeführt werden soll im Laufe diesen Jahres eine neue Schweppes-Flasche für Mehr- und Einweg. Eine neuer Sechser-MW-Kasten soll im vierten Quartal folgen. Getreu dem Motto der Markenpflege wird im Jahr 2007 für den alkoholfreien Zuwachs mit einer nationalen Vermarktungskampagne geworben.
Für das Jahr 2007 geht Grabias durchaus von einem „anspruchsvollem Jahr“ aus. „Geiz ist nicht mehr geil. Es gibt jetzt so etwas wie Sinnkauf“, lautet die Prognose des Managers für das laufende Jahr. Über Preiserhöhungen wird im Kreuztaler Unternehmen nachgedacht, man sei in der Prüfungsphase. Wobei Grabias sich mit seinem Mitstreiter Schaller einig ist, dass eine Preiserhöhung im Markt generell von Nöten sei, aufgrund drastisch gestiegener Energie- und Glaspreise, sowie der Braugersteknappheit durch die klimatischen Bedingungen in 2006. Die Mehrwertsteuer-Erhöhung sei 1:1 an den Handel weitergegeben worden. Mit der zum 1.1.2007 übernommenen Privatbrauerei Ro…

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