Genuss und Lebensfreude ohne Reue mit Gerstensaft

Blickpunkt Dienstleistung –
Wettbewerbsvorteil Kundenorientierung

von Monika Busch

Auf die Fahne geschrieben hat sich der deutsche Brauerbund “Lust auf deutsches Bier – bewussterer Genuss ohne Reue”. “Wir möchten, dass Bier wieder mit Genuss und gutem Gewissen konsumiert wird”, betonte der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes e.V. (DBB) Dieter Ammer anlässlich des Deutschen Brauertages (11-13.Juni.01) in Bremen. Auch werde die Fähigkeit, einen Augenblick oder ein Nahrungsmittel ohne Reue und bewusst zu genießen, immer seltener. “Eine falsch verstandene Gesundheits- und Fitnesswelle und eine hitzig bis hysterisch geführte Alkoholdiskussion machen den Verbrauchern einen Genuss ohne Reue nahezu unmöglich”, empörte sich der Präsident.

Auch sei man es nun endgültig leid, dass selbst ernannte Gesundheitsapostel immer öfter den Genuss am Biertrinken vergällen würden, wetterte Ammer. Deshalb wollen die deutschen Brauer wieder mehr Lust auf ihr Produkt machen. Denn schließlich sei Bier weiterhin das Volksgetränk Nummer Eins und der maßvolle Genuss schade nicht, er bringe sogar medizinisch belegte gesundheitliche Vorteile.

Auf dem diesjährigen deutschen Brauertag bekräftigte Ammer, dass die deutschen Brauer nach wie vor eine differenzierte Alkoholdiskussion forderten, die die gesundheitlichen Vorteile eines maßvollen Biergenusses und den überwiegend verantwortungsvollen Umgang der Verbraucher mit dem Produkt Bier berücksichtige. Auch könne es nicht sein, dass diejenigen, “die in den Ministerien sitzen und entscheiden, bestimmen was wir Essen und Trinken”, empörte sich der Präsident. Stärker emotionalisieren will Ammer “das Verhältnis des Konsumenten zum Produkt Bier”. Sein Tenor: “Bier muss also auch in den Köpfen vieler Verbraucher wieder werden, was es seit 1516 de facto ist: das reinste Vergnügen.” Neben dieser Thematik stand ebenfalls auf der Agenda bei den Beratungen der deutschen Brauwirtschaft das Thema Dienstleistung mit dem Diskussionsforum “Können wir (uns) Dienst noch leisten?”

Einigkeit herrschte bei den anwesenden Experten aus Brauwirtschaft, Gastronomie und Handel, dass auf umkämpften Märkten kundenorientiertes Handeln Wettbewerbsvorteile sichert. Nach Einschätzung Ammers, setze sich zwar die Erkenntnis durch, dass sich Produktion und Dienstleistung heute nicht mehr getrennt von einander betrachten lassen, dennoch würden Dienstleistungen noch bei weitem nicht so professionell kalkuliert und mit der gleichen Akribie geplant, wie dies bei Sachgütern längst selbstverständlich sei.

Sein Appell an die Brauwirtschaft: “Seien wir ehrlich: Dienstleistungsarbeit gilt doch vielfach noch immer als dienende – als unterwürfige oder mindere Arbeit. Altbundespräsident Roman Herzog hat es einmal so ausgedrückt: “Wir sind schon ein merkwürdiges Volk, wenn wir mit Freude Maschinen bedienen, aber jedes Lächeln gefriert, wenn es sich um die Bedienung von Menschen handelt.”
Abschließend stellte Ammer die These in den Raum: “Müssen wir uns Dienst leisten?” Diese These wurde mit den Vor- und Beiträgen von Beat Krippendorf – auf Gastronomiefragen spezialisierter Unternehmensberater, Dieter Schmid – Geschäftsführer der Privatbrauerei Waldhaus, Regina Gröger – geschäftsführende Gesellschafterin der SAGA GmbH, Dessau und Pierre Nierhaus – Frankfurter Gastronom und Kenner der New Yorker Szene eindrucksvoll und facettenreich unter die Lupe genommen. So war beispielsweise von Krippendorf zu vernehmen: “Wer den Kunden nicht als Störfaktor, sondern als Arbeitgeber begreift und dessen Erwartungen am besten befriedigt, hat morgen die besten Karten.” Der Schlüssel zum Erfolg sei eine persönliche Beziehung mit dem Kunden, die auf einer ehrlichen, offenen Kommunikation beruhe.

Die Sichtweise von Kundenorientierung der Privatbrauerei Waldhaus “Bei jeglicher Reklamation bezüglich der Qualität unserer Produkte erhalten unsere Kunden das Geld zurück und das Produkt ersetzt – und zwar mit einem Lächeln im Gesicht!” Denn schließlich sei nichts werbewirksamer als ein zufriedener Kunde, ist man sich bei Waldhaus sicher.

Eindrucksvoll war auch der Vortrag Dienstleistung ist überlebenswichtig – Bier ausfahren kann jeder! von Regina Gröger. Die Unternehmerin des Jahres 1999 sparte auch nicht an Kritik mit Blick ins Auditorium auf die anwesenden Brauer, mit den Worten “Bier verkaufen kann jeder – wir verkaufen Leistung!” und verurteilte das derzeit herrschende Preisdumping auf dem deutschen Markt. “Wir müssen uns die Anregungen aus Amerika holen und in europäische Qualität umsetzen”, forderte Nierhaus. Denn, so der Szenekenner “das Angebot an Serviceleistungen sei in Amerika zwar riesig, die Qualität sei aber im Vergleich zum europäischen Standard mangelhaft”. Der Gastronom, der mit Partnern 14 Objekte betreibt, kritisierte ebenfalls das Agieren von deutschen Brauereien.

So sei beispielsweise bei der Vertragsgestaltung für ein Objekt von der Brauerei festgeschrieben worden, dass beispielsweise nicht mit weißen Tischdecken eingedeckt werden dürfe! Das ist nicht Loriot, sondern Tatsache. In den Augen dieser Brauerei schließen sich scheinbar Biergenuss und weiße Tischdecken aus.

Wie Nierhaus weiter berichtete, wurde eine Einigung dahingehend erzielt, dass erst ab 18.00 Uhr die Tische eingedeckt werden sollten. So weckt man wahrlich keine neuen Emotionen, wie es sich Ammer wünscht. Zuversicht bestätigte Ammer in Bezug auf die derzeitige Situation der deutschen Brauwirtschaft. Mit Prognosen für die Entwicklung in den nächsten Monaten hält es der Präsident wie VW-Chef Ferdinand Piech: “Marktprognosen sind leider ähnlich präzise wie eine Wettervorhersage: Hinterher weiß man es besser, vorher weiß man nichts.” Hinzufügen gebe es nichts, außer vielleicht, dass sich die Brauwirtschaft über einen warmen Sommer sicherlich freuen würde.

Selbstredend wurde in Bremen nicht nur beraten und diskutiert, sondern auch gefeiert. Der festliche Brauerabend im wunderschönen Ambiente des Bremer Rathauses mit seiner prächtigen Renaissance-Fassade bot neben kulinarischen Genüssen und einem “Ohrenschmaus” auch viel Raum für interessante und anregende Gespräche.