Brau und Brunnen AG: Geschäftsjahr 1998 mit deutlichen Absatzeinbußen

Geschäftsfeld Bier wird dezentralisiert

von Monika Busch

“Wir denken gar nicht daran, die Preiserhöhung zurückzunehmen, dieses ist hirnrissig, absolut undenkbar” – mit diesen Worten kommentierte der Vorstandsvorsitzende Rainer Verstynen das Gerücht um eine Rück-nahme der durchgeführten Preiserhöhung im Januar diesen Jahres bei der Vorstellung des Geschäftsjahres 1998 in Dortmund.
In der Brau und Brunnen AG wurde 1998 ein Jahresüberschuß in Höhe von 13,6 Millionen Mark erzielt. Im Konzern ergab sich ein Jahresfehlbetrag von 13,5 Millionen Mark (dgw 4/5/99). Der Jahresüberschuß der AG soll in voller Höhe in die Rücklagen eingestellt werden. Der Jahresfehlbetrag im Konzern wird mit den Gewinnrücklagen des Konzerns verrechnet. Damit sind die Gewinnrücklagen im Konzern verbraucht.
“Wir haben uns angewöhnt, ohne Wetter zu planen, jedoch kann man die Witterung nicht ganz außer acht lassen”, sagte Verstynen zur Absatz- und Umsatzentwicklung im Berichtszeitraum. Die Getränkeabsätze sanken auf 13,9 Millionen Hektoliter (Vorj.: 15,0 Mio. hl). Verglichen mit den um die Verkäufe der Bavaria-St. Pauli-Brauerei AG bereinigten Vorjahreswerten (14,3 Mio. hl) entspricht dies einem Minus von 2,3 Prozent. Die Gesamtumsatzerlöse sanken um 5,9 Prozent (bereinigt) auf 1.620 Millionen Mark (Vorj.: 1.722 Mio.). Die Verbindlichkeiten reduzierten sich auf 394 Millionen Mark (1997: 471 Mio. DM). Der bereinigte Bierabsatz sank um 4,3 Prozent von 8.338 Tausend Hektoliter auf 7.981 Tausend Hektoliter; die bereinigten Biererlöse reduzierten sich um sechs Prozent auf 1.057 Millionen Mark (Vorj.: 1.125 Mio. DM). Die sogenannten A-Marken des Geschäftsfeldes Bier verzeichneten ein Absatzminus von 3,2 Prozent. Hierzu Verstynen: “Mit unseren A-Marken nähern wir uns im Absatz der allgemeinen Marktentwicklung (-2,9%). Denn nur, wenn man im allgemeinen Branchentrend liegt, kann man besser sein als der Markt.”
Der Anteil der A-Marken am Gesamt-Bierabsatz der Gruppe steigerte sich 1998 auf rund 75 Prozent, gegenüber dem Vorjahr von 68 Prozent. Mittelfristig soll der Anteil auf 80 Prozent ausgebaut werden. Das Flaggschiff Jever büßte 2,1 Prozent ein (1,55 Mio hl.), Brinkhoff’s No. 1 verzeichnete ein Absatzminus von 3,4 Prozent (587 Tsd.hl). Ab dem 1. Januar 2000 wird nun im Geschäftsfeld Bier der Vertrieb wieder dezentralisiert, das heißt, jede Brauerei der Gruppe hat den Schwerpunkt nur noch bei den eigenen Marken. Der bisherige Verkauf des Gruppen-Portfolios entfällt. Der Grund hierfür, so Verstynen, sei die Erkenntnis und das Wissen, daß der Außendienst sich auf “seine Marke” konzentrieren müsse, da nur so die Stärke des Konzerns erhalten bliebe.
Die Mineralbrunnen der Gruppe setzten im Berichtszeitraum ingesamt 5.951 Tausend Hektoliter alkoholfreie Getränke ab. Wie das Unternehmen mitteilt, entspricht dieses einer Steigerung von 0,3 Prozent. Die bereinigten AfG-Erlöse betrugen 419 Millionen Mark (Vorj.: 424 Mio. DM). Der A-Marken-Anteil im Geschäftsfeld AfG wurde um 2,2 Prozent auf rund 61 Prozent gesteigert. Die Mineral- und Heilwässer sowie die aromatisierten Wässer der Apollinaris & Schweppes GmbH & Co. verzeichneten ein Absatzminus von 0,8 Prozent.
Die Marke Schweppes verlor 5,2 Prozent. Vita-Cola steigerte den Absatz um 27,4 Prozent auf über 500 tausend Hektoliter. Hocherfreut stellte der Vorstandsboß fest, daß die Erfolgsstory von Vita-Cola weiter gehe. Behutsam wolle man nun testen, ob der “Vita-Geschmack” auch der westlichen Bevölkerung entspreche: “Falls ja, wissen wir, was wir zu tun haben.” Unterstützt wird die Marke im Osten mit einem Werbebudget von rund sieben Millionen Mark – vorrangig für Plakat- und Rundfunkwerbung.
Für das laufende Geschäftsjahr plant die Gruppe ein Ergebnis im operativen Geschäft von 40 Millionen Mark. Für das Jahr 2000 sind “ehrgeizige” 60 Millionen geplant. Derzeit lassen die Zahlen noch keinen Schluß auf das Erreichen der Zielsetzung zu.
Der Bier-Gesamtabsatz von Brau und Brunnen verringerte sich von Januar bis Mai 1999 um 5,8 Prozent (Branche -3,7% bis 1.4.99). Der A-Marken-Absatz verzeichnete im gleichen Zeitraum ein Minus von 4,1 Prozent. Der AfG-Absatz lag mit einem Minus von 0,2 Prozent (per 15.06.99) besser als die Branche mit 0,7 Prozent (01.04.99). Die A-Marken verzeichneten ein Plus per 15.06.1999 von 0,4 Prozent.
Eine Dividendenzahlung soll im Jahr 2000 für das Geschäftsjahr 1999 erfolgen.
Bezüglich der angedachten Streichung der “Abzugsfähigkeit Bewirtungskosten”, kommentierte Verstynen, daß er die Auswirkungen nicht so sehr auf den Konzern beziehen würde.
“Denn, dieses würde hauptsächlich die gehobene Gastronomie betreffen. Und dort wird mehr Wein als Bier getrunken. Und was Apollinaris angeht, insbesondere Selection, müßte man dieses Produkt dann eben auf eine breitere Basis stellen.”