Deutsche Mineralbrunnen legen für 1997 eine stabile Halbjahresbilanz vor

Branche trotzt den Attacken auf Mineral- und Heilwasser

von Timur Dosdogru

Die deutschen Mineralbrunnen können eine stabile Halbjahresbilanz für 1997 vorweisen. Der Gesamtabsatz der Branche lag nach den Zahlen des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM), Bonn, im Zeitraum Januar bis einschließlich Juni um 0,3 Prozent höher als im relativ starken Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Mineralbrunnen-Erfrischungsgetränke konnten dabei um 1,8 Prozent zulegen, der Absatz von Mineral- und Heilwasser blieb insgesamt auf dem Vorjahresniveau. Das aus Verbandssicht zufriedenstellende Ergebnis wird vor allem der nach wie vor überproportionalen Entwicklung in den neuen Bundesländern und dem Erfolg von Innovationen zugeschrieben.
Die Mineralbrunnen beobachten schon seit längerer Zeit einen Trend zu den stillen Mineralwässern. Trotzdem hält das Mineralwasser mit normalem Kohlensäureanteil nach wie vor den größten Marktanteil; dieser lag 1996 bei 66,8 Prozent. Die stillen Mineralwässer (einschließlich derer mit reduziertem Kohlensäuregehalt und ohne Kohlensäure) erreichten 27,2 Prozent, gefolgt von Heilwasser mit 4,9 Prozent und aromatisiertem Mineralwasser (1,1 Prozent). Eine steil ansteigende Absatzkurve sei in den neuen Bundesländern zu verzeichnen, heißt es. 8,5 Prozent mehr Mineral- und Heilwässer, sowie Mineralbrunnenerfrischungsgetränke als im Vorjahreszeitraum konnte die Branche dort absetzen. Als echte Verkaufsschlager hätten sich die zahlreichen Mischungen von Mineralwasser mit natürlichen Fruchtauszügen im Sortiment der Brunnen erwiesen. Dieses Segment habe um knapp 30 Prozent unter den alkoholfreien Getränken im Vergleichszeitraum zugelegt.
Diese Brunnenspezialitäten haben offenbar den Verbrauchern in Nordrhein-Westfalen besonders gemundet, dort konnten davon 103 Prozent mehr abgesetzt werden. Ähnlich verlief bei diesen Produkten die Entwicklung in den neuen Bundesländern, wo 95 Prozent mehr verkauft wurde.
Ziemlich säuerlich reagierte die Branche auf Pressemeldungen der vergangenen Wochen, wonach in Mineralwasser “potentiell pathogene Keime” gefunden worden seien, die für immunabwehrgeschwächte Patienten möglicherweise eine Gefahr darstellten. Besonders scharf kritisiert wurde in diesem Zusammenhang Prof. Franz Daschner vom Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene in Freiburg, dessen Aussagen in jüngster Zeit zu diesem Thema die Grundlage für die Berichterstattung lieferte. Außerdem sei Leitungswasser fälschlicherweise als preiswerter Ersatz für Mineralwasser dargestellt worden, so der VDM, der gleichzeitig darauf verweist, daß Mineral- und Heilwässer nicht steril seien und eine eigene Mikroflora enthielten, wobei es sich um naturgegebene Wasserkeime handele. Außerdem dürften Mineralwässer laut Gesetz nicht desinfiziert werden. Die “potentiell pathogenen Keime”, die der Mediziner gefunden haben will, seien allenfalls möglicherweise für immunabwehrgeschwächte Patienten bedenklich (nach Organ- oder Knochenmarkstransplantationen).
Diese Patienten dürften sowieso nur sterilisierte Lebensmittel in Form einer strengen Diät zu sich nehmen. Diese Einschränkung gelte damit auch für Mineral- und Leitungswasser gleichermaßen. Es sei auch kein Fall bekannt, daß ein Patient durch den Genuß von Mineral- oder Heilwasser geschädigt worden sei. Daher könnten erst recht alle Verbraucher ohne Bedenken davon trinken, was auch durch mehrere hochrangige Wissenschaftler bestätigt worden sei. Daschner habe außerdem den Eindruck erweckt, für solche Patienten sei Leitungswasser gesünder als Mineralwasser, obwohl er selbst in einer früheren Veröffentlichung immunabwehrgeschädigten Patienten vom Genuß des Leitungswassers dringend abgeraten habe, so der VDM.
Der Mediziner hatte vor drei Jahren dem Wasserfiltersysteme-Hersteller Brita mit bis heute überwiegend gerichtlich widerlegten Aussagen zu hohen Umsatzeinbußen “verholfen”. Der Gelehrte hatte behauptet, daß sich in den Baby-Wasserfiltern des Herstellers lebensbedrohliche Keime bilden könnten. Später bot Daschner dem Unternehmen die Möglichkeit, sich für eine Millionensumme mittels einer Unbedenklichkeitsstudie von diesem “Makel” befreien zu können. Seitdem ist der Professor umstritten. Erwehren mußte sich die geplagte Brunnenbranche auch diverser Gerätschaften, mit denen angeblich Leitungswasser in Sodawasser verwandelt werden kann – zumindest suggerierte dies die Werbung. Hersteller ist, wen wundert’s, die Firma Brita, der diese Werbung mittlerweile wegen Irreführung gerichtlich untersagt wurde. Brita legte Berufung ein, der Verbraucher wisse ja gar nicht, was Sodawasser laut gesetzlicher Regelung sei, weshalb die Werbeaussagen keine Irreführung darstellten, hieß es. Der Hersteller habe sich unabhängig vom Informationsstand des Verbrauchers an das Gesetz zu halten, befand das Gericht.