Liebe Leser, in dieser Kolumne kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie Viktor, er wird auch niemanden verraten. Großes Ehrenwuff!

Viktor

Weihnachten steht vor der Tür …

… und somit das mengenstärkste Geschäft der Paketdienste. In dieser Zeit verdoppelt sich die Anzahl der Zustellungen auf über zwölf Millionen Päckchen und Pakete. Täglich.
Somit ergießt sich die größte Paket­lawine über unser Land, die trotz enormen logistischen Aufwands nicht immer zu stemmen ist. Das hat zur Folge, dass nicht immer das Weihnachtspaket vor der Tür steht, sondern Ärger und Frust.

Sendungen kommen nicht an. Sind wochenlang unterwegs oder hängen in den Zustellbezirken. Die meisten Kunden haben das Gefühl, dass überhaupt nicht zugestellt wurde, denn in vielen Fällen erhalten sie auch keine Benachrichtigung.

Und falls doch, dann finden Empfänger merkwürdige Zettel an ihren Haustüren: „Habe das Paket auf den Balkon geworfen“ (zweiter Stock) oder „Paket bei Nachbarn in Haus 34 abgegeben“ (ohne Namen). Das Paket liegt im Keller oder in der grünen Mülltonne.

Manchmal hat aber auch der Zusteller Frust und schreibt: „Wenn Sie mal die Musik leiser stellen würden, könnten Sie auch das Klingeln hören.“ Ganz ungemütlich wird es jedoch, wenn die jeweilige Hotline angerufen wird. Wartezeiten von bis zu 50 Minuten sind keine Seltenheit. Dann bekommt man eine Auskunft, die bekannt ist: „Das Paket befindet sich in Zustellung.“ Habe ich in der Sendungsverfolgung aber schon selbst recherchiert. „Dann gehen Sie mal ans Fenster. Sehen Sie dort ein markantes Gebäude wie einen Baumarkt oder eine Kirche? Solche Infos könnten dem Zusteller helfen.“

Derartige Konversationen mit dem Callcenter nehmen schon groteske Züge an. Und wenn man beharrlich auf einer verbindlichen Auskunft besteht, wird das Gespräch kurzerhand einmal beendet. Das führt zu noch mehr Frust.

Allerdings auch bei den Zustellern. Dieser Job ist kein Zuckerschlecken. Zehn bis zwölf Stunden sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Ohne nennenswerte Pausen und bei jedem Wetter. Das Gros der Empfänger wohnt im x-ten Stock, und wenige kommen auf die Idee, dem Zusteller einmal ein paar Treppen entgegenzugehen.
Häufig gibt es noch nicht einmal ein Dankeschön, geschweige denn ein Trinkgeld dafür, dass man dem Kunden das 30-Kilo-Paket Hundefutter in den vierten Stock wuchtet; den neuen Fernseher oder die drei Pakete mit jeweils zwölf Flaschen Wein. Und das zigmal am Tag.

So haben eben alle Beteiligten ihr Weihnachtspäckchen zu tragen. Vielleicht ist ja die Weihnachtszeit geeignet, den Männern und Frauen an der Zustellfront einmal etwas zurückzugeben. Und sollte man nicht zu Hause sein, hilft schon ein kleiner Zettel an der Tür: Bitte Paket bei Sowieso abgeben, das Trinkgeld ist dort auch hinterlegt. Danke.

Nichts für ungut
Euer Viktor