Ausgabe 11/12/2010

2010: Das Jahr trug einen großen Namen

Nun ist das Jahr, welches jahrelang einen Namen hatte – Agenda 2010 –, bald vorbei. Der Begriff Agenda 2010 verweist auf Europa.
Im Jahr 2000 beschlossen die europäischen Staats- und Regierungschefs in Portugal, die EU nach der Lissabon-Strategie bis zum Jahr 2010 zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ zu machen.
Ein hehres Ziel, das allerdings mit der Finanz- und Wirtschaftskrise einen schweren Haken versetzt bekam. Nach Immobilien, Firmen, Krediten und Rohstoffen wurden nun ganze Staaten zum Spielball globaler Investoren. Griechenland taumelte schwer getroffen durch den Euro-Ring, angezählt von den Rating-Agenturen.
Bei acht schmiss die EU das Handtuch, holte Griechenland aus dem Ring und brachte es auf die Intensivstation. Dort wurde ihm eine finanzielle Schrumpfkur verordnet, die so gar nicht nach dem Geschmack der stolzen Hellenen war.
Dann blickte die Welt geschockt auf die Ölkatastrophe an der US-Golfküste. Ein Umweltdesaster bahnte sich an, wie es die Erde noch nicht erlebt hatte. Da tauchten plötzlich Fragen und Antworten auf wie: Was haben die Ölpest vor der US-Küste und die Griechenland-Krise gemeinsam? Beide Desaster gehen auf Fehler von Menschen zurück – und in beiden Fällen haben sich Konzerne bereichert. Doch während BP dafür bezahlen soll, kommen die Finanzhasardeure schadlos davon. Ein fataler Fehler?
Und während wir noch ganz vertieft in der Finanz- und Ölpest verharrten, verkündete Roland Koch seinen Rücktritt auf Raten. „Politik ist nicht alles im Leben“, orakelte Hessens Ministerpräsident. Das Volk spricht schon von Teilzeitpolitikern. Zum Nachdenken über „warum und wieso“ blieb uns wenig Zeit.
Denn in Oslo wurde ein deutscher Satellit in den siebten Himmel der Nation geschossen. Ein Teenie aus Hannover zeigte der Welt, wie man auch ohne aufwendige Performance und verrücktes Outfit alle hinter sich lassen kann. Nach der eher taktischen denn musikalischen Meisterleistung von Stefan Raab erklomm Lena Meyer-Landrut den Olymp des Eurovision Song Contest. 18 Jahre nach Nicoles „Ein bisschen Frieden“ hatten wir wieder die Erkenntnis gewonnen: Ein bisschen weniger kann ein vieles mehr sein.
Doch so richtig dolle konnten wir uns nicht freuen, denn prompt hatte uns der politische Alltag eingeholt. Nach dem Oslo-Hit „Satellite“ platzte umgehend eine Bombe. Der Bundespräsident erklärte seinen sofortigen Rücktritt. Der Alltag hatte uns wieder eingeholt. Wulf und Gauck wurden gehandelt. Gauck war der gefühlte und Wulf wurde der gewählte Nachfolger. Bei Wulfs Amtseinführung waren wir aber schon im Land der Vuvuzelas und trauten unseren Ohren und Augen nicht.
Jogis Kicker machten uns so richtig Freude. Gruppenerster und dann England und Argentinien vom Platz gefegt. Nur am späteren Weltmeister gescheitert. Ein toller dritter Platz. Diese Truppe gibt Hoffnung auf mehr. Und als wir noch über Müller und Özil philosophierten, sagte Ole von Beust leise Servus. So ganz hanseatisch nach dem Motto „Wat mutt, dat mutt“. Das Wort Teilzeitpolitiker machte wieder seine Runde.
Nachdem Koch und von Beust ins Privatleben entlassen worden waren, ereilte uns schon wieder Ungemach. Ein Buch spaltet die Nation: Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ sorgt für heftige Kontroversen bei Bürgern und Politikern.
Von Maischberger bis Plasberg, von Will bis Beckmann: Alle stürzten sich auf ein Thema. Integration – die unendliche Debatte. Von Interviews mit einer Bestie ist die Rede. Und während ganz Deutschland debattiert, werden in Stuttgart die Bagger und Kräne in Stellung gebracht. Ein gigantischer Bahnhof soll her. 13 Jahre nach der Beantragung des Raumordnungsverfahrens. Da war es vorbei mit der sprichwörtlichen schwäbischen Gemütlichkeit. Zehntausende von Bürgern protestieren gegen das Projekt. Als bei bauvorbereitenden Maßnahmen etliche Bäume gefällt werden sollen, eskaliert es im Stuttgarter Schlossgarten zwischen Polizei und Demonstranten.
Aber anders als bei den Chaostagen von Hannover, Hamburg oder Berlin ging hier der „normale“ Bürger auf die Straße. Das ließ die Politiker aufhorchen. Die Diskussion „Ihr da oben und wir hier unten“ war in aller Munde. Der alte Politstratege Heiner Geißler wurde von beiden Seiten als Schlichter akzeptiert.
Aber da hatte unsere Kanzlerin schon ein wahrhaft großes Wort gesprochen. Der Bürger solle nicht demonstrieren, er könne ja schließlich bei der Landtagswahl im März 2011 „für oder wider Bahnhof“ abstimmen.
„Wenn man eine Wahl gewinnen will, sollte man sich so nicht äußern“, meinte der Schlichter daraufhin mit seinem typisch verschmitzten Lächeln.
Schauen wir mal. Da es ja nicht wirklich die Glaskugel gibt, außer im Märchen, wünschen wir allen eine frohe Weihnachtszeit, einen guten Rutsch ins neue Jahrzehnt und ein tolles Jahr 2011.
Team dgw

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